| Häufig gestellte Fragen |
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? Gratis-Muster, Kugelschreiber und Kaffeetassen, oder auch einmal eine Einladung zum Abendessen bei einer Fortbildung – sind Ärztinnen durch derlei Angebote wirklich zu bestechen? ! 61% der Mediziner glauben von sich selbst, dass sie „überhaupt nicht“ durch Pharma-Geschenke in Ihrem Verordnungsverhalten beeinflusst werden. Bei ihren Kollegen glauben sie aber, dass nur 16% überhaupt nicht beeinflussbar sind– und entsprechend 84% gelegentlich oder häufig beeinflusst in ihrem Verschreibungsverhalten durch Pharma-Geschenke. Wissenschaftliche Untersuchungen in den USA und Kanada haben zudem gezeigt, dass häufige Besuche von Pharma-Vertretern, verbunden mit solchen Geschenken, sich nachweisbar darauf auswirken, welche Arzneimittel eine Ärztin verschreibt. ! Die Einschätzung, dass Pharma-Vertreterinnen „nur“ informieren, ist naiv. Pharma-Vertreter sind Verkaufs-Profis. Sie werden intensiv darin geschult, sich emotional auf die Ärztin und den Arzt einzulassen und quasi freundschaftlich an sich zu binden. So etwas schafft Loyalitäten und – oftmals unbewusste – Abhängigkeiten. So wird die Pharma-Vertreterin als willkommene Unterbrechung des emotional sehr anstrengenden Praxisalltages gesehen. Dass das funktioniert, zeigt die große Zahl von über 15.000 Pharmavertretern allein in Deutschland. Jeder von ihnen kostet 125.000 - 200.000 € im Jahr. Würde dieses Geld nicht Wirkung zeigen, würden die Hersteller es auch nicht ausgeben. Aber immer wenn Pharma-Hersteller versucht haben, die Ausgaben für den Außendienst zu reduzieren, ging die Zahl der Verordnungen ihrer Produkte zurück.
? Schaden Ärzte denn ihren Patientinnen, wenn sie die Arzneimittel verschreiben, die die Pharmaberaterinnen ihnen anempfehlen? Aber es sind nicht nur die Kosten, es ist auch die viel geringere Erfahrung mit neuen Medikamenten, die die Patientinnen bei der Einnahme erst jüngst zugelassener Medikamente zusätzlichen Risiken aussetzt. Insbesondere beim niedergelassenen Facharzt und bei der Hausärztin gibt es glücklicherweise nur wenige Fälle, in denen ein erst kurz zugelassenes Medikament tatsächlich verschrieben werden sollte. Untersuchungen mehrerer deutscher kassenärztlicher Vereinigungen zeigen aber: Ärztinnen, die Pharma-Vertreter zu sich lassen, verordnen viel mehr – Fachleute sagen viel zu viel – "innovative", also erst seit kurzem zugelassene, Medikamente.
? Was kann eine Ärztin tun, um sich von den Beeinflussungsversuchen der Pharma-Hersteller frei zu machen? Ein weiterer Punkt betrifft das übrige Fortbildungsverhalten: Leider beeinflusst die Pharma-Industrie auch die Mehrzahl der ärztlichen Fachzeitschriften und selbst wissenschaftliche Kongresse auf vielfältige Weise. Sie beeinflussen die Organisation, bestimmen die Themen und bezahlen die Referenten. Zunehmend gibt es aber Alternativangebote, die sponsoringfrei sind – aber die Ärztin muss bereit sein, die Mehrkosten zu tragen.
? Mein Arzt sagt mir, dass er von der Industrie finanzierte Kongresse und Fortbildungen gar nicht meiden kann. Stimmt das?
? Wie ist denn die Resonanz bei den Ärztinnen auf die Initiative „Mein Essen zahl ich selbst“? Aber es gibt natürlich auch Anfeindungen. Viele Ärztinnen haben in den letzten Jahren unter Einkommensverlusten gelitten und haben wenig Verständnis, wenn sie im Fortbildungsbereich neue Kosten übernehmen sollen. Immer mehr Ärzte realisieren aber, dass die knappen Budgets im Gesundheitswesen vor allem Folge der explodierenden Arzneimittelkosten sind - und dass sich hier was ändern muss.
? Mein Arzt sagt, dass die Initiative „MEZIS“ das Vertrauen zwischen Arzt und Patientinnen untergräbt, weil es nichts als Misstrauen sät. ! Das stimmt nicht, ganz im Gegenteil: Viele Patientinnen und Patienten wissen um das Problem. Jede Woche erreichen den Webmaster über ein Dutzend Anfragen von Patienten, die eine Ärztin suchen, die bei MEZIS dabei ist. Wir denken, dass sie dies aus gutem Grund tun - weil sie nämlich nur einem Arzt, der seine Unabhängigkeit wahrt, vertrauen können und wollen. |


