
»Eigentlich müsste sich MEZIS umbenennen«, scherzte Prof. Dr. Klaus Lieb, MEZIS-Vorstand und Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Mainz, am Mittwoch in Berlin im Hinblick auf neue Erkenntnisse. Einladungen zum Essen stehen einer Umfrage der unbestechlichen Ärzte zufolge inzwischen an vierter Stelle in der Reihe der Versuche von Pharmafirmen, Ärzte für ihre Produkte zu begeistern. Zuoberst in der Geschenkeliste finden sich kostenlose Muster von Arzneimitteln, gefolgt von Schreibwaren und Kalendern.
Dies alles nicht anzunehmen und darüber hinaus offenzulegen, auf welche Weise die Hersteller dafür sorgen, dass ihre Erzeugnisse verschrieben werden und nicht die des Konkurrenten – ganz egal, ob diese dem Patienten mehr nutzen würden – , ist das Credo des Netzwerkes. Lieb stellte in Berlin erste Ergebnisse einer Umfrage unter 300 Ärzten, Allgemeinmedizinern, Nervenärzten und Kardiologen vor, derzufolge 75 Prozent der befragten Ärzte einmal pro Woche von einem Pharmareferenten besucht werden und 16 Prozent sogar täglich. 89 Prozent der Ärzte fühlen sich selten oder nie vernünftig über neue Medikamente informiert. Wie Krebsarzneien entwickelt und vermarktet werden, hat der Berliner Onkologe Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig untersucht. Auf diesem Gebiet würde sehr viel geforscht, denn man rechne damit, dass 2010 die Krebserkrankungen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen an der Spitze der Todesursachen ablösen würden. Entsprechend steige der Bedarf an innovativen Medikamenten. Die als solche auf den Markt kommen, hätten vielfach jedoch keinen Zusatznutzen, so Ludwig. Es gebe eine Tendenz zu pharmagesponserten Zulassungsstudien, in denen man das neue Mittel mit einem wirkungslosen oder einem Placebo vergleiche, so dass die Ergebnisse positiv ausfielen. Die Preise für die Arzneien sind enorm gestiegen. Gerade bei Tumorpatienten werde viel Geld für schlecht geprüfte Medikamente mit minimalem Fortschritt ausgegeben.
Einen anderen Trick der Firmen beschrieb die Medizinjournalistin Dr.
Elke Brüser. Man nutze sogenannte Mietmäuler, die in vielen Medien
vertreten seien, aber von Firmen für bestimmte Aussagen bezahlt werden.
Der Fall Hademar Bankhofer wird in der jüngsten Ausgabe der
MEZIS-Nachrichten geschildert. Der selbsternannte Gesundheitsexperte
stand im Sold von MCM Klosterfrau und machte Reklame für deren
Melissengeist.
MEZIS e. V. ist die Abkürzung für »Mein Essen zahl' ich selbst«.
Diesem Namen gab sich die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und
Ärzte. Sie gründete sich 2006 in Bielefeld. Inzwischen gehören ihr 131
Mitglieder an. Von der US-amerikanischen Bewegung www.nofreelunch.org
inspiriert, will sie ihr Verschreibungsverhalten ausschließlich am
Patientenwohl orientieren, verweigert Geschenke der Pharmahersteller
und entwickelt Strategien, um sich deren allgegenwärtiger Beeinflussung
zu widersetzen. so
www.mezis.de
Wir beleuchten die Hintergründe, geben Einblicke in die Ursachen und zeigen Mittel zur Eindämmung
Demonstrationen in Frankfurt/Main und Berlin.
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